Der Bankenmarkt ist im Aufbruch – zumindest aus Sicht junger und technologiegetriebener Unternehmen im Finanzbereich, auch als FinTech-Unternehmen bezeichnet. Der Begriff FinTech steht für „Financial“ und „Technology“ und umfasst alle Geschäfte und Software, um Bank- und Finanzdienstleistungen anzubieten mit dem Ziel auf disruptive Finanztechnologie. Ob der einzelne Finanzservice oder das einzelne Finanzprodukt wirklich innovativ ist, entscheidet letztentlich immer der Konsument, also ein Unternehmen oder Endverbraucher als Kunde.

Payment, Banking und Finanz-Infrastruktur als Teil von FinTech

Die stetig steigende Anzahl von FinTech-Unternehmen macht eine vollständige und stets aktuelle Übersicht nur schwer möglich. In folgender Mindmap habe ich versucht, eine gewisse Grundstruktur in den Bereich FinTech zu bringen und diesen in Banking, Payment, Infrastruktur, Investionen und Ökosystem aufzuteilen.

Fintech Solutions Payment Banking Overview

Fintech Solutions Payment Banking Overview / FinTech Lösungen im Überblick – Zum Vergrössern auf das Bild klicken (Quelle: VanillaBanking.de)

Die Herausforderung bei der visuellen Darstellung der FinTech-Landschaift ist vor allem die gegenseitige Verknüpfung von Services, neue Kooperationen und die verschwimmenden Grenzen zwischen z.B. Mobile Payment, E-Commerce Payment und Banking. Hinweise, Vorschläge und Meinungen sind herzlich willkommen!

Weiterführende Links zum Thema FinTech-Übersichten und News:

Payment Service Provider (PSP) für E-Payment und M-Payment

Die historische Übersicht (2012) von Anbietern für Online- und Mobile Zahlungsmethoden „Payment Service Provider (PSP) für E-Payment und M-Payment“ finden Sie im Folgenden als Bild. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass die Aufnahme neuer Anbieter, Änderungen oder Löschungen leider nicht mehr vorgenommen werden können. Die Übersicht ist also ein historischer Snapshot auf die deutsche Payment-Landschaft und ist auch heute noch teilweise für Recherche nutzbar.

Payment Service Provider ePayment und mPayment

Payment Service Provider für E-Payment und Mobile Payment – Zur kompletten Übersicht bitte klicken! (Quelle: VanillaBanking.de, 2012)

Oben stehende Grafik enthält folgende Zahlungsformen, Payment Provider sowie Payment Service Provider (PSP): PAY.ON: PayPal, Moneybookers / Skrill, globalcollect, Payone, payOS, ConCardis, Novalnet, Six Card Solutions, Ogone, Wirecard, Expercash, Heidelpay, Google Checkout, RatePay, BillSAFE, BillPay, klarna, PAYOLUTION, Paymorrow, picoPay, Infin-Payment, Micropayment, Netpurse, B+S Card Service, Freecent, Google Wallet, Deutsche Card Services, EOS Payment Solutions, WorldPay, ClickandBuy, SponsorPay, Flattr, Kachingle, BFS Finance, In7Tagen, Sofortüberweisung (Payment Network), Giropay, Domnowski, Facebook Credits, PayPal, Moneybookers, Payone, payOS, ConCardis, Novalnet, Six Card Solutions, Ogone, Wirecard, Expercash, Heidelpay, Google Checkout, RatePay, BillSAFE, BillPay, klarna, Paymorrow, Infin-Payment, Micropayment, Netpurse, B+S Card Service, Freecent, Google Wallet, Deutsche Card Services, EOS Payment Solutions, WorldPay, ClickandBuy, SponsorPay, Flattr, Kachingle, BFS Finance, In7Tagen, Sofortüberweisung (Payment Network), Giropay, Domnowski, Facebook Credits, Altruja, Spendino, paysafecard, InterCard, NetDebit, share it, mPAY24, Computop, omba, CommDoo, Amazon Payments, Web.cent/Easy Cent, TeleCash, Wallie-Card, mpass, easycash, avpay, Cash-Ticket, iPayment, iclear, Altruja, Spendino, paysafecard, InterCard, NetDebit, share it, mPAY24, Computop, omba, CommDoo, Amazon Payments, Web.cent/Easy Cent, TeleCash, Wallie-Card, mpass, easycash, avpay, Cash-Ticket, iPayment, iclear, mobuy, boku, Mopay, Collector (PayPort), Adyen, akcepto, ecardon payments, FidorPay, hipay, E-JUNKIE, Sunhill Technologies, Simty, Cashlog, Paymentwall, Payleven, Sumup, Masterpayment, Payworks, Secupay, PayCash, Orderbird, Ordify, Streetpay, friendfund, leetchi, Pockets United, BuddyBeers, Atlas Interactive (Kanzaloo), BonaYou, Square, Paymill, Barzahlen, Barpay, SanKyu, optile, iZettle

Bezahlen im Internet und mobil unterwegs. Der folgende Artikel ist eine umfassende Übersicht für elektronische Zahlungsformen, kurz E-Payment, ePayment, zu denen das Online-Payment und Mobile Payment, kurz M-Payment, mPayment gehören. Payment Service Provider, kurz PSP, Micropayment, eWallets, Mobile Payment im Vergleich. Der Artikel mit oben stehender Liste der Zahlungsanbieter ist ein kostenloser Ratgeber für sowohl Käufer (Verbraucher) als auch Händler und Shop-Betreiber, die auf der Suche nach der optimalen Bezahlmethode im Internet sind – entweder, um diese für das Bezahlen zu nutzen oder sie in den eigenen Online-Shop einzubinden.

Im Artikel wird auf alle gängigen und relevanten Zahlungsformen und Zahlungsarten im Internet sowie für das mobile Bezahlen für den deutschen Markt eingegangen und zeigt deren Vor- und Nachteile. Ideal also, um als Online-Käufer den besten Überblick zu erhalten oder als Händler einen Online-Shop schnell starten zu können.

Bitte beachten Sie, dass der folgende Beitrag eine Bestandsaufnahme aus den Jahren 2010/2011 war, weshalb wir keine Gewähr für die Aktualität übernehmen können.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Präambel: Bitte lassen Sie mich einfach nur schnell bezahlen!
  2. Basiswissen zu Offline-Bezahlmethoden
  3. E-Payment (Internet Payment) im Überblick
  4. E-Payment: Die wichtigsten Zahlungsformen im Detail
    • Vorkasse/Banküberweisung
    • Kauf auf Rechnung/Rechnungskauf
    • Kreditkarte
    • Nachnahme
    • Lastschrift (ELV)
    • Einzelne Payment Provider im Detail
  5. Payment Service Provider (PSP)
  6. M-Payment (Mobile Payment)
  7. Micropayment
  8. E-Wallet-Lösungen

1. Präambel: Bitte lassen Sie mich einfach nur schnell bezahlen!

Lieber Shopbetreiber,

ich habe Ihren Shop über den schönen teuren Werbelink bei Google gefunden. Heisst das nicht Adwords oder Adsense? Egal, Sie standen ganz oben – sogar mehrere Tage lang! :-)

Mein Warenkorb ist nun voll und möchte eigentlich nur die 3.499 € für 2 Apple-Laptops und 1 Thunderbolt-Bildschmirm bezahlen. Nach langem Suchen des Kaufbuttons frage ich mich, wo ist die Lastschrift oder Sofortüberweisung? Gebt uns Kunden im Checkout, also beim Abschluss eines Bezahlvorgangs im Internet, endlich ein gutes, sicheres und komfortables Gefühl! Das schliesst natürlich auch mein Smartphone oder Tablet mit ein, bei dem ich nämlich keine Lust hatte, mit meinen Wurstfingern zu vergrössern oder zahlreiche Daten einzugeben. Auto-correct und auto-select bei Adressen wäre auch ganz nett!

Wenn Sie mehrere vertraute Bezahlarten gleichzeitig anbieten, umso besser. Dann suche ich mir einfach die Zahlungsmethode aus, die ich kenne und mir am besten passt. Auch wäre es schön, wenn Sie eine Backup-Zahlungsmethode wie z.B. Sofortüberweisung im Angebot zu haben. Dann könnte ich auch diese grössere Summen bezahlen, da bei PayPal oder der Kreditkarte in der Regel Limits vorhanden sind! Wussten Sie das? Wenn Sie mich als Käufer generell nicht mögen und einen Kaufabbruch erzwingen möchten, können Sie ruhig den 3D-Secure Code für die Kreditkarte weiterhin aktivieren.

Und bitte lassen Sie mich auch ohne eine Registrierung mit Geburtsdatum, Telefonnummer und Lieblingshobbys und ohne Mitgliedschaft bezahlen! Ich möchte bei Ihnen nur kurz einkaufen und keine Beziehung eingehen! 😉

Ist doch alles gar nicht so schwierig, oder doch? Macht nichts, dann werde ich in einem anderen Shop einkaufen – denn der nächste Onlineshop ist bei mir nur 1 Mausklick weit entfernt! Tschüß!

Mit kauflustigen Grüßen
Ihre potenzieller Käufer

2. Basiswissen zu Offline-Bezahlmethoden in Deutschland

Zunächst zu den Begriffsklärungen im Bereich Payment. Unter “Offline” wird hier verstanden, dass sich entweder Käufer und Verkäufer persönlich gegenüber stehen bzw. die Übergabe des Bargelds bzw. des elektronischen Bargelds direkt oder über Hilfsmittel vor Ort erfolgt, also nicht über das Internet. Die Abgrenzung zum ePayment (E-Payment) wird zunehmend schwieriger, da Online-Bezahlmethoden in den Einzelhandel expandieren, wie z.B. das mPayment (Mobile Payment), welches natürlich Online-Ressourcen nutzt.

Cash is King bzw. Bargeld lacht! Dies ist eine alte Händler-Weisheit – vor allem beim Kauf- und Verkauf von Produkten und Dienstleistungen im Offline-Bereich. Oft gibt Ihnen der z.B. Autoverkäufer bei kompletter Barzahlung sogar einen ansehnlichen “Barzahlungsrabatt” von 5-15%, da er mit dem erhaltenen Geld unverzüglich wieder arbeiten und wirtschaften kann. Ist dagegen aufgrund mangelnder Barmittel ein Ratenkredit für den Kauf notwendig, sind für den erhaltenen Zeitaufschub für das Begleichen der kompletten Rechnungssumme zusätzlich Kreditzinsen fällig.

Im B2B-Bereich (zwischen Geschäftskunden) ist der Begriff “Skonto” der Standard, der einen Preisnachlass auf die Rechnungssumme bezeichnet, wenn der Käufer in einer bestimmten Frist von x-Tagen die Rechnung begleicht. Z.B. wird dies folgendermassen kommuniziert: „innerhalb von 10 Tagen abzüglich 2% Skonto, innerhalb von 30 Tagen rein netto“. Als Käufer hat man also eine relativ starke Verhandlungsposition, wenn man die Rechnung sofort und in bar in Euros oder Dollar begleichen kann. Es geht also darum, dass das Geld möglichst schnell zum berechtigen Empfänger gelangt. Offline ist das relativ einfach, denn hier erfolgt der direkte Übergang sowohl der Ware/Dienstleistung als auch der Barmittel (Bargeld oder alternative Zahlungsmittel) vor Ort.

Folgende Offline-Zahlungsformen haben sich in Deutschland etabliert:

Offline-Bezahlmethoden im Einzelhandel bzw. am POS (Point of Sale)

  • Bargeld: hierbei wird kein Girokonto benötigt
    • Reines Bargeld in Form von gesetzlichen Banknoten und Münzen wie Euros oder Dollar
    • Nachnahme: ist eine Form der Barzahlung, aber auch eine Zahlungsart beim E-Payment; Bezahlung einer Ware direkt beim Empfang der Ware durch den Empfänger an das ausführende Post- bzw. Logistik-Unternehmen
    • Zahlkarte in Form von Chipkarte, Lochkarte, Magnetkarte: ist eine Form der Barzahlung; Verwendung als alternatives Bargeld in geschlossenen Räumlichkeiten wie Club oder Restaurants, um am Ende alles in Bargeld oder elektronischem Bargeld zu begleichen
  • Elektronisches Bargeld/Bargeldlos: hierbei benötigt mindestens einer (Käufer oder der Verkäufer) ein Girokonto/ Bankkonto
    • EC-/Maestro-Karte (Electronic Cash Karte), herausgegeben durch MasterCard; Synonyme sind Debitkarte/Debit Card, eurocheque-Karte, Bankkarte, Sparkassenkarte, Girokarte oder andere Eigennamen von Banken und Sparkassen
    • Geldkarte: hierbei handelt es sich eigentlich um die EC-/Maestro Karte, die einen extra Chip für das Aufladen von Bargeld besitzt
    • Kreditkarte (Visa-Card, MasterCard, American Express/Amex, Diners Club) in Form einer echten Kreditkarte, Prepaid-Kreditkarte oder Debit-Kreditkarte
    • V Pay-Karte: ist eine neue von VISA herausgegebene Karte mit den Eigenschaften einer EC-/Maestro Karte (Chip + PIN)
    • NEU: Mobile Payment (Mobiltelefone bzw. Handy) vor Ort im Einzelhandel
  • Gutscheine, Rabattgutscheine, Coupons (wurden zuvor offline oder online gekauft)
  • Scheck in Form von Barscheck, Verrechnungsscheck, Orderscheck: werden heutzutage in Deutschland kaum noch verwendet; auch als “halbbare Zahlung” bezeichnet
  • Naturalien: alles Natürliche, wie z.B. landwirtschaftliche Naturerzeugnisse wie Tiere, Pflanzen oder auch Mineralien wie Rohstoffe wie physisches Gold, Silber, Platin oder Palladium
  • Tauschhandel: Eine Ware oder Dienstleistung wird direkt gegen eine andere Ware oder Dienstleistungen getauscht ohne die Verwendung einer Währung (Bargeld)

3. E-Payment für E-Commerce im Überblick

E-Payment = Elektronisches Payment (Elektronische Zahlung): Wie auch beim Bezahlen vor Ort im Einzelhandel kann beim Bezahlen in einem Online-Shop das Angebot der Zahlungsmethoden über Kauf oder Abbruch entscheiden.

Ein gesundes Mittel ist es, dem Käufer ungefähr 3 bis 5 verschiedene Zahlungsarten anzubieten, denn jeder Mensch hat andere Vorlieben beim Bezahlen. Einen sehr guten Überblick zu vielen Online-Bezahlmethoden gibt das Unternehmen ibi-Research mit seinem eCommerce Leitfaden. Das Dokument kann dort kostenlos heruntergeladen werden.

Im Folgenden werden die Zahlungsmethoden im Bereich E-Payment nach verschieden Kategorien unterschieden:

3.1 Unterscheidung nach Zahlungsverfahren

  1. E-Mail-basierte Verfahren: Sie funktionieren auf Basis von E-Mail-Adressen zwischen den die  Zahlungsinformationen ausgetauscht werden. Beispiele sind: PayPal, Moneybookers
  2. Karten-basierte Verfahren: Sie funktionieren auf Basis einer Karte des Anbieters des Zahlungsverfahrens basieren. Beispiele sind: GeldKarte, paysafecard, MicroMoney, (T-Pay wurde am 30.09.2010 eingestellt)
  3. Mobiltelefon-basierte Verfahren (M-Payment): Sie funktionieren auf Basis einer Mobiltelefonnummer und eines Handys bzw. Smartphones, welches in den Zahlungsablauf eingebunden wird: Beispiele sind: mpass (Vodafone, O2), Google Wallet (geplant), PayPal (geplant)
  4. Inkasso- und Billing-Verfahren: Sie funktionieren auf Basis der Zusammenfassung einzelner Beträge, welche dann dem Händler in einem Betrag auf ein Bankkonto auszahlt werden. Beispiele sind: ClickandBuy, iclear, infin-Micropayment, Telefonische Mehrwertdienste (Dialer-Verfahren, Premium-SMS), T-Pay

3.2 Unterscheidung nach der Höhe der Geldbeträge

  • Micro-Payment (kleine Geldbeträge von 0,01 € bis 5 €)
  • Macro-Payment (Geldbeträge über 5 €)

3.3 Unterscheidung nach der Art der Zahlungsverfahren

  • Überweisung (Vorauskasse, Vorkasse)
  • Lastschrift (ELV = Elektronisches Lastschriftverfahren)
  • Zahlung auf Rechnung (Kauf auf Rechnung, Rechnungskauf)
  • Kreditkarte
  • Nachnahme
  • eGeld (elektronisches Fantasie-Geld, Ersatzgeld, Token, Facebook Credits, Linden Dollar, etc.)
  • Bonuspunkte/Rabattsysteme

3.4 Unterscheidung nach Bündelung der Zahlungsverfahren

  • Single-Payment-Methode: hierbei wird eine bestimmte Zahlungsmethode direkt in den Online-Shop eingebunden, ohne einen anderen Dienstleister dazwischen zu schalten. Beispiel: Ein grosser Online-Shop verhandelt mit den Kreditkartenanbietern VISA und MasterCard direkt und bindet diese als Bezahlmethode an.
    • Vorteile: Einsparung der Provision; kundenspezifische Lösungen möglich
    • Nachteile: hoher Aufwand, oft nur bei hohen Umsätzen möglich, Hürden aufgrund gesetzlicher Sicherheitsstandards zur Speicherung der Kreditkarten-Daten (PCI-Zertifizierung)
  • Payment-Service-Provider (PSP): Partnerschaft/Vertrag mit einem Payment-Service-Provider, kurz “PSP”, welcher verschiedene Zahlungsmethoden in einem Account bündelt. Beispiel: die 2 Kreditkartenanbieter VISA und MasterCard werden über einen spezialisierten Dienstleister, einem PSP; eingebunden, der neben diesen Zahlungsarten noch weitere Zahlungarten wie Lastschrift oder Sofortüberweisung im Portfolio hat.
    • Vorteile: Preiswert auch bei kleineren Umsätzen, Stets sicherheitstechnisch auf dem aktuellsten Stand sowie optionale Bonitätsprüfung und Debitorenmanagement; keine eigene teuere PCI-Zertifizierung notwendig, Aufwand für das Einbinden in den Online-Shop geringer, da nur eine Schnittstelle notwendig, ideal für Startups
    • Nachteile: etwas höhere Provision je Transaktion an den PSP bzw. monatliche Grundgebühr und/oder einmalige Einrichtungsgebühr

3.5 Checkliste zur Auswahl des richtigen E-Payment-Providers

Im folgenden die wichtigsten Punkte, welche bei der Wahl der richtigen Zahlungsmethode beachtet werden sollten:

  1. Marktdurchdringung: Bezahlmethode muss eine gewissen Verbreitung und Akzeptanz besitzen
  2. Risikomanagement: Bezahlmethode muss zum Produkt bzw. zur Dienstleistung passen, wodurch sich die Zahlungsausfall-Risiken ergeben (hochpreisig vs. niedrigpreisig)
  3. Kostenmanagement: Wie hoch ist die erzielte Marge beim Verkauf? Also auf das Verhältnis zu den Kosten pro Bezahl-Transaktion achten, damit die Gewinnspanne noch ausreichend ist! (Micropayment vs. Macropayment; einmalige Kosten vs. variable Kosten vs. fixe Kosten)
  4. Kundengruppen: Zahlform muss zur Zielgruppe passen (Erwachsene vs. Jugendliche?; Namensbezogen vs. anyonyme Zahlung?)
  5. Technische Aspekte: Passend zum Online-Shop (mögliche Schnittstellen der Shopsoftware über Plugins)
  6. Erfahrene Partner: Auswahl eines erfahrenen Payment-Service-Provider (PSP)

3.6 Risiko-Management

Ein gewisses Risiko-Management während des Bestellvorgangs über spezialisierte Anbieter verhindert hierbei ausserdem, dass man durch eine Echtzeit-Abfrage externer personenbezogener Daten dem falschen Kunden (schlechte Bonität) alle Zahlungsarten anbieten. Dazu werden Namen und Adressdaten sowie bisherige Zahlungsproblem abgefragt.

Hierbei sollte man auf jeden Fall zwischen Neukunden und Bestandskunden, mit denen man bereits gute (Zahlungs-)Erfahrung gemacht hat, unterscheiden. Auch bietet es sich an, Bestandskunden gleich die favorisierte Bezahlmethode anzubieten. Quellen der Daten sind z.B. Schuldnerregister (wie z.B. SCHUFA, CEG Creditreform oder Deutsche Post Direkt), eidesstattliche Versicherungen oder Inkassoverfahren. Auf Basis dieser Daten wird dann in Echtzeit ein Kunden-Scoring vergeben und das Risiko eines Zahlungsausfalls für den entsprechenden Käufer ermittelt. Der Anbieter creditPass z.B. bietet alle gängigen Abfragemöglichkeiten für eine Risikoprüfung an.

Am besten fährt man natürlich mit einem Payment-Service-Provider, der diese Risikoprüfung übernimmt. Grössere Shops können auch nach Kundengruppen und Warenwert individuelle Pakete schnüren, die unterschiedliche Abfragen enthalten. Der Shopbetreiber sollte sich aber im Klaren sein, dass jede Abfrage Geld kostet. Bei den PSP ist es meist im Paket mit einhalten.

Prüfzifferncheck bei Lastschriftverfahren: Hierbei wird geprüft, ob die Bankleitzahl (BLZ) und die Kontonummer existieren und auch zur entsprechenden Bank oder Sparkasse passen. Damit werden die sehr teuren Rücklastschriften aufgrund von Fehleingaben verhindert. Anbieter sind hier: InterCard oder Easycash

3.7 Rechtliches zum E-Payment beim E-Commerce

Charakteristisch bei Online-Bezahlmethoden ist, das der Kaufvertrag für den Übertrag einer Ware oder Dienstleitung im Internet geschlossen wird. Im Gegensatz zum Offline-Kauf hat der Kunde beim Online-Kauf (E-Commerce) aufgrund des Fernabsatzgesetzes (FernAbsG) generell eine Widerspruchsrecht von 14 Tagen.

Nach §355 BGB steht hierbei dem Käufer ein Widerrufsrecht bzw. nach §356 BGB ein Rückgaberecht zu. Innerhalb von 2 Wochen kann der Käufer also OHNE ANGABE VON GRÜNDEN den Vertrag widerrufen. Dieser Aspekt sollte bei der Wahl der richtigen Zahlungsform beachtet werden, da das Geld im Zweifel auch wieder zurückgehen wird.

Wichtiger Hinweis:

Für die bei einigen Zahlarten notwendige externe Abfrage der personenbezogener Daten muss in jedem Fall in der Datenschutzerklärung des Onlineshops ein Passus enthalten sein, der die Bonitätsprüfung erwähnt, da ein “berechtigtes Interesse” des Händlers besteht, die Zahlung auch final zu erhalten.

Des Weiteren benötigt der Online-Shop ein gebührenpflichtiges SSL-Zertifikat (Secure Socket Layer), welches eine Verschlüsselung von vertraulichen Daten (Name, Adresse, Kontodaten des Kunden) bei Online-Transaktionen ermöglicht. Zu erkennen ist ein ordnungsgemäss gesicherter Online-Shop durch den Beginn der Adresszeile mit “https://…” – es muss also “s” vorhanden sein.

3.8 Internationalisierung – Der richtige Payment Service Provider

Wenn man sich als Händler oder Shop-Betreiber für einen Payment-Service-Provider (PSP) entscheidet, so steht am Anfang eher noch nicht die internationale Expansion auf der Tagesordnung. Dennoch sollte man bei der Wahl des PSP darauf achten, dass dieser auch im entsprechenden Land aktiv ist, in das man später evtl. expandieren möchte. Denn ein späterer Wechsel zu einem anderen PSP gestaltet sich immer etwas schwieriger.

Hintergrund ist, dass die Bezahlmethoden je nach Land oder Region HÖCHST unterschiedlich sind. Neben global akzeptierten Bezahlarten wie Kreditkarte, PayPal, Nachnahme, oder Banküberweisung gibt es parallel dazu unzählige lokale Zahlungsmethoden. Diese sollte man als Shop-Betreiber im jeweiligen Land unbedingt anbieten, damit das volle Umsatzpotenzial ausgenutzt werden kann. Auch, weil die lokalen Bezahlmethoden von den Provisionen her oft viel günstiger sind als die internationalen, wie Kreditkarte. Besonders bei einer Flug- oder Reisebuchung über das Internet merkt man als Kunde in Deutschland, dass die Reiseanbieter die teuren Kreditkartenkosten 1:1 an die Kunden weitergeben. Ausserdem favorisieren die Online-Käufer das Bezahlsystem, welches ihnen vertraut ist – und das ist in den meisten Fällen eher lokal.

Erster Ansatzpunkt ist auf jeden Fall eine gute Wettbewerbsanalyse: welche Bezahlmethoden bieten meine potenziellen Konkurrenten im jeweiligen Land an? Mit dieser Strategie kann man erst einmal nichts falsch machen.

Im Folgenden die wichtigsten Bezahlmethoden einiger Länder als Beispiel:

  • Deutschland: Lastschrift (ELV/Elektronisches Lastschriftverfahren)
  • Belgien: Banctact, Mister Cash
  • Dänemark: Dankort
  • Frankreich: Carte Bleue (Debit Kreditkarte)
  • Grossbritannien: Maestro UK, Solo
  • Irland: Laser
  • Österreich: eps
  • Niederlande: iDEAL
  • Schweiz: PostFinance

4. E-Payment: Die wichtigsten Zahlungsformen im Detail

4.1 Vorkasse, Banküberweisung

Für Händler und Shop-Betreiber ist das wohl eine der sichersten Bezahlmethoden, das Geld zu erhalten. Der Versand der Ware erfolgt also erst, wenn der Zahlungseingang beim Händler verbucht wurde.

Jedoch nicht alle Kunden sind bereit, das Geld bereits vor dem Erhalt der Ware oder Dienstleistung zu bezahlen. Erhält der Kunde nämlich ein fehlerhaftes (oder gar kein) Produkt, so hat er die “Rennerei” nach seinem Geld. Dennoch ist diese Bezahlmethode eine der wichtigsten im E-Commerce. So ist es z.B. bei customized products (speziell angefertigte Produkte) notwendig, bereits vor der Produktion die Rechnung zu begleichen.

Ein Beispiel sind hier Designer-Möbel, die erst auf Bestellung in Asien angefertigt und dann nach Deutschland verschifft werden.

4.2 Kauf auf Rechnung, Rechnungskauf

Jetzt bestellen, später zahlen! – das ist das Motto eines Rechnungskaufs. Der Artikel kommt nach Hause zusammen mit der Rechnung und dem bekannten Überweisungsformular.

Der Kauf auf Rechnung ist vor allem in Deutschland sehr verbreitet und kein grösserer Online-Shop kommt an dieser Bezahlmethode vorbei. Ein Kaufabbruch kann dadurch besonders vermieden werden, was zu mehr Umsatz führt. Aufgrund der Angst vor einer unsicheren Übertragung persönlicher Daten und Kontoverbindungen favorisieren viele Internetshopper diese Methode. Die Rechnung wird also erst NACH oder GLEICHZEITIG mit dem Erhalt der online gekauften Waren oder Dienstleistungen zugestellt.

Für den Kunden ist dies bequem und vertraut, da z.B. die grossen Versandhäuser wie Quelle, Neckermann und OTTO dies über Jahrzehnte praktizierten. Diese Bezahlart wird also überwiegend bei physischen Produkten genutzt, bei denen oft eine Retour erfolgt. Der Kunde trägt hier also kein Risiko. Doch für die Unternehmen birgt diese Bezahlmethode dagegen ein sehr hohes Risiko, da es besonders hier oft zu Betrugs- und Zahlungsausfällen kommt.

Die Lösung für beiden Seiten sind spezialisierte Anbieter für einen “Kauf auf Rechnung” bzw. “Rechnungskauf”, welche den Online-Shops gewisse “Rechnungsbezahlsysteme” anbieten, die in den Shop über Plugins eingebunden werden können. Das Besondere an diesen Systemen ist, das der Käufer bereits beim Bestellprozess auf Bonität geprüft wird. Auf Basis von Namen, Adresse, geografischen Daten, evtl. bereits vorliegenden Zahlungsdaten und weiteren Infos wird automatisiert ermittelt, ob der entsprechende Käufer für einen Rechnungskauf “würdig” ist. Fällt das “Kunden-Scoring” besonders negativ aus, wird diese Zahlungsmethode für diesen Kunden gar nicht erst angeboten.

Über den Rechnungskauf wird ein Zahlungsziel von 20-30 Tagen angeboten. Einige Anbieter erweitern die Art des Rechnungskaufs aktuell um eine Ratenzahlung. Über einen Rechnungsausfallschutz ist der Verkäufer also so gegen mögliche Zahlungsausfälle von Käufern abgesichert, da der spezialisierte Anbieter für den Kauf auf Rechnung den Zahlungsausfall dem Verkäufer ersetzt. Natürlich lässt sich der Anbieter die Nutzung des Services und dieses mögliche Zahlungsausfall-Risiko durch eine Provision bezahlen. Diese Provision wird hier als “Disagi” bezeichnet und orientiert sich am Risiko des Kunden sowie an den Kapitalmarktzinsen (Kreditzinsen).

Erst seit einem Jahr tummeln sich die Anbieter für Rechnungsbezahlsysteme in Deutschland. Eine Konsolidierung unter diesen zahlreichen Anbietern wird mittelfristig erwartet, da Masse das entscheidende Kriterium für die Überlebensfähigkeit sein wird, also die Menge der Online-Shop, die mit dem Rechnungskauf-Anbieter kooperieren.

Dem Kunden kann das egal sein – Shopbetreiber sollten auf das stärkste Pferd setzen. Für eine einfache Einbindung in die wichtigsten Shop-Systeme gibt es i.d.R. kostenlose Software-Module (Plugins). Kleinere Startups im Internet sollten die Bezahlung per Rechnung über spezialisierte Anbieter erst später einführen, da ein höherer administrativer Aufwand bei der Buchhaltung und ein erhöhtes Ausfallrisiko besteht.

Aktuelle Anbieter für Rechnungsbezahlsysteme (Auswahl):

  • Bill me later (hier erwähnt als Marktführer in den USA, gehört jetzt zu eBay/PayPal, jedoch nicht in Deutschland)
  • Billsafe (zu eBay, Paypal; nur in Deutschland)
  • BillPay – Buy now – Pay later! (deutsche Kopie von Bill me later, Rocket Internet, Samwer)
  • Ratepay (kooperiert mit EOS, OTTO Group)
  • klarna (aus Schweden)
  • Paymorrow – Der Rechnungskauf im Internet (Facebook-Shop, Telefon, Katalog)

4.3 Kreditkarte

Im Vergleich zu den amerikanischen Kreditkarten-Nutzern, die jeden Cent mit der Karte zahlen, sind deutsche Shopper beim Einkaufen mit der Kreditkarte eher zurückhaltender, da sich hierzulande über Jahrzehnte die EC-Karte (ec-/Maestro-Karte) etabliert hat.

Dennoch ist die Kreditkarte für jeden Online-Shop ein MUSS, vor allem für Startups! Kleinere Shop-Betreiber sollten die Zahlungsmöglichkeit “per Kreditkarte” definitiv über einen Payment Service Provider (PSP) abdecken. Siehe dazu den dazugehörigen Absatz auf dieser Seite. Andernfalls können die Verträge direkt mit der Kreditkartenanbietern wie VISA oder MasterCard recht teuer werden.

Grund ist, das für das Anbieten der Zahlungsmethode “Kreditkarte” definitiv eine Zertifizierung nach PCI-Standard notwendig ist. Wichtigster Punkt hierbei ist, dass sich die PSP nach dem PCI-Standard zertifizieren lassen müssen (Payment Card Industry Data Security Standard). Denn alle Unternehmen und Shop-Betreiber, die Kreditkartendaten verarbeiten, speichern oder weiterleiten, müssen diesen PCI-Standard erfüllen.

Arbeitet man also mit einem PSP zusammen, so braucht man als Shop-Betreiber keine eigene Zertifizierung, da alle Kreditkartendaten beim PSP bleiben! Über die Zusammenarbeit mit einem PSP akzeptiert der Shop-Betreiber vertraglich die Akzeptanz von Kreditkartenzahlungen. Hierbei können zusätzliche Sicherheitsverfahren optional hinzu gebucht werden, wie z.B. das Passwort-gestützte 3D-Secure-Verfahren. Man sollte aber bedenken, dass je höher die Hürden für den Kunden beim Bezahlen sind, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass er den Kauf abbricht. Der gute Mittelweg ist oft der richtige. Dennoch sollte kein Online-Shop auf die Eingabe der 3-stelligen Code-Nummer zur Kundenverifikation verzichten, die sich auf der Rückseite der Kreditkarte befindet.

Eventuell werden vom PSP sogenannte “Rolling Reserves” einbehalten, welche ungefähr 10 bis 20% des angefallenen Umsatzes entsprechen können. Grund ist, dass sich die PSP sowie die Kreditkartengesellschaften gegenüber möglichen Zahlungsausfällen absichern möchten.

Den Kreditkartenmarkt haben sich vor allem 3 grosse Anbieter unter sich aufgeteilt: MasterCard, Visa-Card und American Express (Amex).

Die Kreditkartenanbieter stehen vor der Herausforderung der zukünftigen Daseinsberechtigung, da reines Mobile-Payment (M-Payment) kaum noch Kreditkarten benötigt. Deshalb versuchen Visa und MasterCard mit innovativen Projekten, die Kreditkarte in die Zukunft zu retten. Hierbei arbeiten die Kreditkarte und das Mobiltelefon eng zusammen, indem z.B. nach einem Bezahlen direkt eine Info an das Mobiltelefon gesendet wird, dass etwas bezahlt wurde. Auch, wenn z.B. der Aufenthaltsort des Mobiltelefons nicht mit dem Einsatzort der Kreditkarte übereinstimmt, kann man eine Deaktivierung der Geräte automatisieren. Ziel ist es, dem Kunden grösstmögliche Sicherheit beim Bezahlen zu garantieren.

Begriffe und Parteien bei den Kreditkarten:

Bei der Kreditkarte unterscheidet man zwischen 3 Hauptvarianten:

  1. Credit Card, reine Kreditkarte: Die Beträge werden hier über einen Monat lang gesammelt und in einer Summe vom Girokonto abgebucht bzw. können am Ende des Monats optional in Raten über mehrere Monate lang zurück gezahlt werden
  2. Debit-Kreditkarte (Debitkarte, Direct Card): Die Beträge werden hier unmittelbar wie bei einer EC-Karte nach dem Einkauf vom Girokonto abgebucht. Die Zahlung und die Akzeptanz funktioniert jedoch wie bei einer normalen Kreditkarte.
  3. Prepaid-Kreditkarte: Diese “Kreditkarte” muss vor einem Bezahlen mit einem Guthaben aufgeladen werden.

Der Trend zeigt eindeutig in Richtung Debit-Kreditkarte (Debit-Card, Debit-Karte). MasterCard geht hier mit der Maestro Online und Visa-Card mit V-Pay ins Rennen.

  • Acquirer = Ein Acquirer (Visa, MasterCard, American Express) kooperiert mit Akzeptanzstellen (z. B. Einzelhandel, Online-Shops), um Kreditkartenzahlungen für Kunden zu ermöglichen. Über den Kreditkarten-Akzeptenzvertrag gibt es dann eine entsprechende Lizenz.
  • Issuer =  Ein Issuer gibt die Kreditkarte an den Kunden heraus, was vor allem durch Banken, Sparkassen oder andere Finanzinstitute erfolgt.
  • Payment Service Provider (PSP) = Ein PSP ist ein Unternehmen, welches neben den Kreditkarten meist weitere Zahlungsdienstleistungen und den Online-Shop einen Komplettservice anbietet.
  • Vertragsunternehmen = Ein Vertragsunternehmen ist ein Unternehmen (Einzelhändler, Online-Shop, Händler), welches mit dem Acquirer bzw. dem PSP einen Vertrag zur zur Akzeptanz der Kreditkarte als Zahlungsmittel verpflichtet hat.

4.4 Nachnahme

Hier erfolgt die Zahlung Nach Empfang-Nahme der Ware oder Dienstleistung (falsche Schreibeweise ist also “Nachname”).

Es gibt auch Kunden, die die Bezahlung per Nachnahme favorisieren, da diese erst bezahlen wollen, wenn sie das Produkt physisch in den Händen halten. Sobald die Ware von einem Kurier persönlich an die vorher vereinbarte Zustelladresse übergeben wird, wird die Rechnung in bar fällig. Der Käufer ermächtigt den Kuriere, seine Daten und das Geld auf ein Händlerkonto des Verkäufers weiterzuleiten.

Für den Anfang kann auf diese Art der Bezahlung verzichtet werden, da es einen erhöhten logistischen Aufwand nach sich zieht. Weiterhin ist die Nachnahme-Gebühr von ca. 5 Euro, die in der Regel dem Kunden in Rechnung gestellt wird, ein Grund dafür, diese Bezahlart eher für höherpreisige Produkte zu verwenden. Ausserdem wird der Kunde mit hoher Wahrscheinlich nicht zu Hause angetroffen.

4.5 Lastschrift (ELV – Elektronisches Lastschriftverfahren)

Das Elektronische Lastschriftverfahren (ELV) ist vor allem in Deutschland sehr beliebt. Wogegen in anderen Ländern über diese Bezahlart nur gleichbleibende und wiederkehrende Rechnungen wie Miete oder Strom beglichen werden, wird in Deutschland auch das Online- und Offline-Shopping darüber abgewickelt.

ELV ist daher ein MUSS für jeden Internetshop und sollte über einen Payment Service Provider (PSP) eingebunden werden. Der Kunde autorisiert während des Bezahlvorgangs den Händler oder Shop-Betreiber, das Geld von seinem Girokonto bei der Bank oder Sparkasse einzuziehen.

In der Regel wird dies mit einem separaten Häkchen umgesetzt, welches angeklickt werden muss. Diesen Vorgang nennt man Einzugsermächtigung. Weil im Gegensatz zum Lastschriftverfahren beim Einkaufen im Einzelhandel beim Online-Shopping keine Unterschrift vorliegt oder die PIN-Nummer der EC-Karte nicht eingegeben werden kann, ist es im Streitfall für den Händler schwierig zu beweisen, dass eine Einzugsermächtung vorlag. Rücklastschriften aufgrund mangelnder Kontodeckung oder falscher Kontonummer kosten dann zwischen 3 und 5 Euro – also sehr ärgerlich. Diese Gefahr kann durch ein effizientes Risikomanagement minimiert werden, wenn der Händler z.B. auf die Expertise von Payment Service Providern zurückgreift.

4.6 Ausgewählte Payment Provider im Detail

PayPal

Bei PayPal (engl. “Bezahlfreund”) handelt es sich um das weltweit erfolgreichste und verbreiteste Online-Bezahlverfahren.

Grundlage ist ein ein virtuelles Konto zum einen für den Käufer und zum anderen für den Händler bzw. Shop-Betreiber. PayPal wurde im Jahr 2002 von der Auktionsplattform eBay gekauft und seitdem sehr eng in das Bezahlsystem von eBay integriert.

Dennoch steht diese Bezahlart jedem anderen Shop im Internet gleichermassen zur Verfügung, was ein Grund für den grossen Erfolg und die Verbreitung von PayPal ist.

Das vituelle PayPal-Konto wird mittels Überweisung aufgeladen. Der Vorteil ist, dass es auch unmittelbar während eines Bezahlvorgangs im Internet mittels Lastschrift oder Kreditkarte aufgeladen werden kann.

Der grösste Pluspunkt von PayPal ist jedoch, dass einmal hinterlegte Bezahldaten mit einem einzigen Login und der entsprechenden E-Mail-Adresse des Käufers abgeschlossen werden kann.

Der Geldtransfer findet also nahezu über E-Mail-Adressen statt. PayPal hat zwar eine Banklizenz, dennoch es nicht mit einem Bankkonto vergleichbar, da die Guthaben nicht über den Luxemburger Einlagensicherungsfonds abgedeckt sind. Das Paypal-Konto ist also eine Art personenbezogenes Treuhandkonto, mit dessen Verwaltung der Besitzer des Geldes Paypal beauftragt. Es bietet sich daher an, aufgelaufene Beträge ab einer bestimmten Höhe oder in festgelegten Zeiträumen auf ein normales Bankkonto zu überweisen.

Zahlreiche Akquisitionen im Bereich Micro- und Mobile Payment lassen darauf schliessen, dass PayPal in das Mobile Payment zukünftig fokussiert angehen wird.

ClickandBuy

ClickandBuy gehört zur Deutschen Telekom AG und ist hinter dem Marktführer PayPal die Nummer 2 des E-Payments in Deutschland. Der Anbieter bündelt heute verschiedenste Micropayment-Arten.

ClickandBuy wird vor allem von den Online-Shops Apple iTunes Store, T-Online Musicload, Amazon, Steam, bwin, Test.de und FAZ.NET verwendet.

Giropay

giropay basiert auf der Überweisung über das Online-Banking und wurde von einigen Banken als reine Online-Bezahlmethode entwickelt. Hierbei bezahlt der Käufer direkt über das eigene Bankkonto und funktioniert ähnlich wie der Anbieter Sofortüberweisung und fällt in die Kategorie Vorkasse.

Die Zahlungsmethode wird vorwiegend von Sparkassen, Genossenschaftsbanken (Volksbank, Raiffeisenbank, PSD-Bank, Spardabank) sowie der Postbank angeboten. Ziel war es, auf der einen Seite den Käufern ein einfaches und sicheres Bezahlen im eCommerce anzubieten und auf der anderen Seite den Verkäufern eine sofortige Zahlungsgarantie von der Bank des Käufers zu geben, die das Zahlungsausfallrisiko ausschaltet.

Shop-Betreiber können diese Zahlungsmethode über ihren PSP einbinden.

Sofortüberweisung

“Sofortüberweisung” ist eine geschützte Marke der Firma Payment Network AG. Das Verfahren ähnelt giropay, da es auf das Online-Banking, also einer Banküberweisung, des jeweiligen Kunden basiert.

Ein Vorteil dieser Methode ist, dass es von nahezu allen Banken und Sparkassen in Deutschland akzeptiert wird. Hat ein Kunde beim Online-Shoppen diese Bezahlmethode gewählt, so wird er SOFORT auf die Seite von Sofortüberweisung weitergeleitet, wo er gebeten wird, für die Online-Überweisung seine PIN und TAN-Nummer anzugeben. Der Betrag wird das SOFORT dem Händlerkonto gutgeschrieben – daher auch der Name “Sofortüberweisung”.

Der Vorteil für den Kunden ist, dass er die Ware oder Dienstleistungen sofort bezahlt hat und der Versand unverzüglich erfolgen kann. Bei einer normalen Banküberweisung muss der Händler vor einem Versand der Ware/Dienstleistung natürlich erst den Zahlungseingang prüfen, was einige Werktage in Anspruch nehmen kann.

Sofortüberweisung kann vom Shop-Betreiber als Single-Payment-Methode über bequeme Plugins direkt von Sofortüberweisung oder auch im Paket mit anderen Bezahlmethoden über einen PSP in den Online-Shop eingebunden werden.

Amazon Payments

Amazon.de ist wohl der bekannteste und umsatzstärkste Online-Shop in Deutschland, weshalb das im Jahr 2011 gestartete hauseigene Bezahlsystem “Amazon Payment” hier erwähnt werden muss.

Auch, weil es ein eindeutiger Angriff auf den etablierten Bezahldienstleister PayPal ist, einer Tochterfirma von eBay. Des Weiteren besitzt Amazon bereits mit der eigenen Amazon-Kreditkarte, die in Kooperation mit der LBB (Landesbank Berlin) herausgegeben wird, über ein attraktives Zahlungsmittel. Denn die Kreditkarte beinhaltet ein internes und externe Bonuspunkte-Sammelsystem. Amazon wirbt in Deutschland mit dem Slogan “Bezahlen über Amazon” – der umfassenden Zahlungslösung im Internet für Händler.

Käufer können bei Einkaufen auf Amazon.de sowie auch auf anderen externen Shops einfach mit ihrem Amazon-Account bezahlen. Hierbei wird auf die im Amazon-Account hinterlegte Zahlungsmethode zurückgegriffen. Auch auf die erneute Eingabe der Versandinformationen kann dadurch verzichtet werden.

Die Einbindung von Amazon Payments in den Online-Shop erfolgt für die Händler ähnlich wie bei PayPal. Ist die Bezahlmethode im Online-Shop erst einmal eingebunden, so können Kunden ohne Verlassen des Shops den Einkauf fortführen. Für die Nutzung von “Bezahlen über Amazon” fallen für den Händler keine Vorauszahlungen, monatlichen Gebühren oder versteckten Kosten an.

Amazon bietet hierbei zwei Zahlungsmodelle an: Der Standard-Checkout bietet Käufern die Möglichkeit, alle Bestellungsdetails (Produkt, Dienstleistung; Name, Lieferadresse) zu prüfen und den Auftrag mit einem einzigen Klick abzuschließen. Über den Inline-Checkout können Händler das Amazon-Adressbuch und die Zahlungsoptionen des Käufers in deren bestehende Kaufabwicklung integrieren.

5. Payment-Service-Provider (PSP) in Deutschland

Die oben aufgeführte (historische) Tabelle gibt einen guten Überblick über die wichtigsten und besten Payment Service Provider (PSP) sowie weitere Zahlungsmöglichkeiten im Internet und im mobilen Bereich in Deutschland.

Für die vollständige Einbindung der Zahlungsmethoden eines PSP sollte ein Shop-Betreiber einen Zeitraum von 1-2 Wochen einkalkulieren, da die eigene Bonität, der Online-Shop und und die eingereichten Unterlagen genauestens geprüft werden. Auch sollten die Zahlungsarten, die meist über ein kostenlose Plugin im Shop bequem installiert werden kann, in mehreren Testläufen geprüft werden, bevor der Kunde darauf los gelassen wird.

Es ist also das Henne-Ei -Problem: Ohne saubereren Shop wird kein PSP eine Kooperation eingehen – und ohne ein Payment wird es kein guter Shop.

Deswegen laufen die Vorbereitungen in dieser Phase im noch nicht öffentlichen Demo-Shop-Modus, d.h., dass ein zuständiger Mitarbeiter des PSP einen Zugang zum noch per Passwort gesicherten Shop erhält, um den Shop selber, die angebotenen Produkte und Dienstleistungen, die AGB, die Widerrufsbelehrung, den Datenschutz sowie das Impressum prüfen zu können.

Einige Payment Service Provider in Deutschland (Auswahl):

  • PayPal
  • Moneybookers
  • Payone
  • B+S Card Service
  • Deutsche Card Services
  • EOS Payment Solutions
  • World Pay (ehemals RBS WorldPay)
  • Six Card Solutions (ehemals Saferpay)
  • WireCard

Die PSP bieten auch zahlreiche Dienstleistungen, die in ihrem Umfang teilweise optional gegen einen geringen Aufpreis hinzu gebucht werden können. Deshalb werden sie oft auch als Full-Service-Provider im Payment-Bereich bzw. für das Financial Supply Chain Management bezeichnet.

Folgende Leistungen können dabei je nach Anbieter mehr oder weniger genutzt werden:

  • Betrugsprävention (Prüfung von Bank-, Kreditkarten- und Adressdaten, Länderkennung und Bonitätsprüfung der Käufer)
  • Kunden-Scoring inklusive Sperrlistenverwaltung und Whitelists
  • Stammkunden-Funktion
  • Risiko- und Betrugsprävention
  • Lastschrift mit Zahlungssicherung
  • Rücklastschrift-Schutz
  • Finanzdienstleistungen (Rechnungsversand, Acquiring, Geschäftskonten, Währungsmanagement, Issuing über Wirecard Bank AG, Call Center Services)
  • Inkasso- und  Forderungsmanagement, Debitorenmanagement (Inkassomahnverfahren, gerichtliche Massnahmen, Langzeitüberwachung, national und international, Vertragsmanagement)
  • Dynamische Währungsumrechnung zu tagesaktuellen Kursen
  • Reportingtools, Statistiken

Weiterhin bieten die PSP spezielle Module (Plugins) für die meisten Shop-Systeme an, wie z.B. Magento, Oxid eShop, xt:Commerce, osCommerce, PrestaShop, VirtueMart, Gambio, TYPO3 oder Übercart

6. Mobile Payment, Mobiles Bezahlen mit Smartphones und Handy

Man unterscheidet beim Begriff “Mobiles Bezahlen” vier grosse Bereiche:

  1. ALT: Das Bezahlen unterwegs mit herkömmlichen Bezahlmethoden, wie Bargeld, Kreditkarte, EC-Karte oder Scheck
  2. ALT: Das Bezahlen beim Shoppen im Internet von einem PC/Laptop aus, bei dem man aber aufgefordert wird, die Rechnung im gleichen Moment mit einem Handy zu begleichen (vorwiegend im Micropayment-Bereich)
  3. NEU: Das Bezahlen in eCommerce-Shop von unterwegs über ein Mobiltelefon (Handy) bzw. internetfähiges Smartphone
  4. INNOVATIV:
    1. Das Bezahlen in herkömmlichen Geschäften (Supermarkt, Warenhäuser, Restaurants) mit einem Smartphone über NFC (Near Field Communication). Durch NFC ist eine kontaktlose Datenübertragung im Zentimeterbereich möglich. Der Kunde hält sein Handy zum Bezahlen einfach an ein Lesegerät oder an ein anderes Handy und der Betrag wird von seinem Konto abgebucht.
    2. Das Bezahlen über einen Card Reader (Kartenleser). Hierbei steckt der Händler auf sein Smartphone (z.B. iPhone) ein Kreditkartenleser, mit dem Ihre EC-Karte oder Kreditkarte eingelesen wird (Kreditkarten-Swipe). Das erfolgreiche Original Square aus den USA hat in Europa zahlreiche Nachahmer gefunden, wie z.B. Payleven, Sumup, Streetpay, Payworks

Mobile Commerce und mobiles Bezahlen mit einem Handy bzw. Smartphone wird also einer der Mega-Trends in den nächsten Monaten/Jahren sein und sich so zu einem kartenlosen Massenbezahlverfahren entwickeln. Hierbei unterscheidet man 3 Arten:

  1. Mobile Person-to-Person (P2P) Payments: Geldtransfer zwischen Privatpersonen über das Mobiltelefon über Bewegungssensoren (NFC-Chips) oder optional über den Kopfhörerausgang anzusteckende Kartenlesegeräte (z.B. die von PayPal integrierte Funktion “Bump”; Square, Izettle)
  2. Mobile Remote Payments: Handybesitzer rufen eine kostenlose Telefonnummer an, geben die Bezahlsumme und eine PIN-Nummer ein, um z.B. im Internet, Parktickets oder Fahrscheine zu bezahlen. Die eingehende SMS muss der Käufer dann nur noch mit “Ja” bestätigen. (z.B. mpass von der Deutschen Telekom, Vodafone und o2)
  3. Mobile Proximity Payments: Für diese Bezahlart nutzt man die NFC-Technologie, Blue-tooth oder GSM. Der Käufer hält z.B. in einem Supermarkt sein Mobiltelefon an ein spezielles Lesegerät an der Kasse.

Bezahlen mit einem Handy, Mobiltelefon bzw. Smartphone hat enormes Potenzial, da es wie ein Schlüssel oder das herkömmliche Portemonnaie ein ständiger Begleiter und damit höchst personalisierbar ist. Es stellt damit eine der sichersten Bezahlmethoden für die Zukunft dar. Es wird erwartet, dass innerhalb der nächsten Monate auf dem Gebiet des Mobile Payments (M-Payment) viel Bewegung eintreten wird.

Erste Anzeichen dafür waren die Markteintritte von PayPal und Google in den lukrativen Markt. Ein Grafik von Mashable zur Zukunft des Mobile Payment zeigte das enorme Marktpotential.

Wie bei anderen Bezahlmethoden auch, muss jeder Online- oder Offline-Händler abwägen, inwieweit die zusätzliche innovative Bezahlmethode “Mobile” zum Kundensegment passt und somit für ein Umsatzplus sorgen bzw. einen möglichen Umsatzrückgang vermeiden kann, wenn man sie nicht anbietet.

Besonders Internet-Shopper sind unberechenbare Nomaden und kaufen dort ein, wo ihre favorisierte Bezahlmethode verfügbar ist. Denn der nächste Shop ist nur einen Mausklick entfernt! Laut Aussage des Kreditkartenanbieters MasterCard soll es in 30 Jahren keine Plastikkarten (Kreditkarten, EC-Karten) mehr geben. Sie werden höchstwahrscheinlich durch Mobiltelefone ersetzt, die ein kontaktloses Bezahlen ermöglichen sollen.

Mobile Commerce und mobiles Bezahlen mit einem Handy bzw. Smartphone wird also einer der Mega-Trends in den nächsten Monaten/Jahren sein und sich so zu einem kartenlosen Massenbezahlverfahren entwickeln.

Mobiles Bezahlen ist eine Unterkategorie vom Online Bezahlen, da in vielen Fällen eine Internetverbindung für den Bezahlvorgang vorhanden sein muss, nur eben nicht mehr vor dem PC zu Hause, sondern von unterwegs. Weil damit der Bestellprozess grösstenteils im Internet stattfindet, ist hierfür natürlich auch ein internetfähiges Telefon notwendig.

Diese Eigenschaft vereinen die sogenannten Smartphones am besten, da aufgrund der sehr guten Usability (Benutzerfreundlichkeit) ein Medienbruch vermieden wird. Exkurs: Ein “Medienbruch” bedeutet, dass während eines Shopping-Vorgangs das Medium gewechselt werden muss, z.B. von Internet auf Telefon oder von Mobiltelefon auf einen normalen PC. Je häufiger bzw. je stärker der Medienbruch ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Käufer entnervt den Kaufvorgang abbricht.

Hierbei wird es in Zukunft wichtig sein, den optimierten und reduzierten Bestell- und Bezahlprozess dem mobilen Endgerät anzupassen, so dass der Käufer ein gutes Gefühl beim Shoppen hat. Es ist also nicht notwendig, alle Schritte eines Checkouts vom normalen PC/Laptop auf das mobile Bezahlen zu übertragen. Optional kann man es anbieten, doch sollte es dem schlanken Endgerät angepasst sein. Auch ist das Handy wohl der persönlichste Zugang zu einem Kunden und verlangt deshalb die strengsten Sicherheitsregeln.

Andererseits bietet genau dieser Punkt wieder eine sehr grosse Chance, das Bezahlen mit mobilen Endgeräten massentauglich zu machen, sobald sie den gleichen Status wie eine Kreditkarte erreicht haben. Für viele Online-Shops ist es gar nicht notwendig, zusätzliche Bezahlverfahren für den Zugriff von Mobiltelefonen anzubieten. Der Grund ist, dass der Kunde sich in z.B. in sein Kunden-Account einlogged und schliesslich mit dem hinterlegten Bezahlverfahren bezahlt.

Deutlich mehr Fantasie wird wohl im mobilen Bezahlen beim ganz normalen Einkaufen im Supermarkt, also im Einzelhandel stecken. Die Lösung für ein barrierefreies Bezahlen mit einem Mobiltelefon werden einfache Techniken sein. Um die Akzeptanz beim Mobile Payment zu erhöhen, ist es wichtig, die Abrechnung über die Telefonrechnung zu vermeiden, sondern direkt auf Bank- oder E-Wallet-Konten zuzugreifen.

Im Bereich Mobile Payment müssen vor allem die Finanzinstitute und die Dachorganisationen der Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken (Volks- und Raiffeisenbanken, PSD-Banken, Sparda-Banken) eine stärkere Rolle spielen. Ziel muss es sein, das Mobile Payment sicher und barrierefrei über die Bankkonten der Kunden zu ermöglichen. Bisher fokussierten sich die Banken und Sparkassen vorwiegend auf das Mobile Banking, was erst durch die Smartphones und die dazugehörigen meist kostenlosen mobilen Banking-Apps (Applikationen = Anwendungen) im Apple iTunes Store oder im Android Market in Schwung kam. Doch auch hier beschränken sich viele Banken und Sparkassen nur auf Apps, die eine Abfrage von Konto- und Depotbeständen zulässt. Es scheint, als haben die Finanzinstitute und vor allem die grossen Mobilfunkanbieter wie T-Mobile oder Vodafone aufgrund von Sicherheits-Paranoia den Trend verschlafen, auf den mobilen Bezahl-Zug aufzuspringen.

Ein Hauptgrund ist z.B. auch, dass es unter den Finanzinstituten keine einheitlichen Sicherheits- und Software-Standards gibt, die eine Integration verschiedenster Zahlungsmöglichkeiten vereinfachen würden. Das bankübergreifende Mobile Payment wird also eine der grössten Herausforderungen für die Zukunft sein. Anbieter wie PayPal und Co. machen es vor, dass mobiles Bezahlen bereits heute nicht nur schnell, sondern auch sicher ist, sogar “sichererer”, wie es in der Werbung von PayPal heisst. So hat jede herumliegende Geldbörse mit EC- und Kreditkarten ein höheres Sicherheits- und Betrugspotential, als ein durch ein Passwort geschütztes Online-Payment-Account (E-Wallet).

Des Weiteren sollte der Einzelhandel mit ins Boot des Mobile Payments geholt werden, um eine reibungslose Zahlungsabwicklung mit einem Mobiltelefon über die bereits vorhandenen Kassensysteme zu gewährleisten. Dabei müssen software-technische Schnittstellen zu Finanzinstituten und Drittanbietern geschaffen werden oder evtl. auch stationäre Geräte installiert bzw. angepasst werden. Die Lösung wird in der Standardisierung des Mobile Payments liegen, anstatt unzählige Einzellösungen anzubieten. Innerhalb der nächsten 5 Jahre werden sich also nur wenige Anbieter herauskristallisieren, die das Mobile Payment am besten umsetzen können. Deutschland liegt bei der baldigen Marktreife für das Mobile Payment im Vergleich zu den USA deutlich zurück. Als deutscher Zahler muss man sich also noch etwas gedulden…

Auswahl einiger spezialisierte Anbieter im Bereich des M-Payment:

  • mpass (elektronische Geldbörse von Vodafone und O2)
  • Google Wallet (geplant)
  • PayPal (geplant)
  • paypass (MasterCard, noch nicht in Deutschland)
  • digital Wallet (Visa, geplant)

Aktuelle Projekte von Visa und MasterCard im Bereich M-Payment mit NFC-Technologie:

  • Visa-Card: PayWave
  • MasterCard: PayPass

7. Micropayment, Bezahlen mit “Kleingeld” und Kleinstbeträgen

Welche besonderen Bezahlverfahren gibt es für kleine Geldbeträge? Mit Bargeld ist es kein Problem, mal eben eine Rechnung von 15 Cent zu bezahlen, denn hier fallen keine weiteren Gebühren an.

Im Internet sieht das schon anders aus, denn hier kommen zum Grundbetrag noch zusätzliche Kosten für den Transfer des virtuellen Geldes hinzu. Online-Zeitungsartikel, Klingeltöne, Musikdownloads, geringwertige Software, virtuelle Güter für Online-Games oder Abonnements (Abos):

Händler und Shop-Betreiber mit Produkten und Dienstleistungen im einstelligen Euro- oder sogar Cent-Bereich stehen bei diesen Produkten vor dem Problem, dass die Transaktionsgebühren pro Bezahlung den Produktwert oder sogar die Gewinnmarge übersteigen können. Der Bank kann es egal sein – sie berechnet für eine Überweisung von 10.000 € den gleichen Betrag ab wie für 0,50 Cent: zwischen 10 – 20 Cent. Bezahlmethoden wie Lastschrift oder Kreditkarte mit hohen Transaktionsgebühren sind im Bereich Micropayment also wenig sinnvoll. Ausnahme ist hier die virtuelle Prepaid-Kreditkarte wie z.B. WireCard, oder die der Landesbank Berlin.

Kleinstbeträge kommen vor allem vor bei niedrigpreisigen Produkten wie Musik-Downloads, Klingeltönen und virtuellen Gütern wie Artikel oder optionale Werkzeuge für Browser-Games. Hier ist es nicht wirtschaftlich, über herkömmliche Bezahlmethoden zu gehen, da die Kosten pro Transaktion bereits die Kosten des Produkts oder der Dienstleistung übersteigen können – sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer. Micro-Payments fallen in den Bereich zwischen 0,01 € und 5 €. Des Weiteren sollten Micro-Payments innerhalb weniger Sekunden abzuwickeln sein.

Bezahlen von Kleinstbeträgen im Wert von 0,01 – 5,00 €, also Micropayment, kann für einen Händler und Shop-Betreiber somit ziemlich unwirtschaftlich sein. Hier kommen Bezahlsysteme zum Einsatz, die sich besonders auf diesen Bereich spezialisiert haben. Alle diese Bezahlsysteme im Micropayment-Bereich versuchen natürlich auch, den normalen Bargeld-Transfer virtuell nachzubilden, was mehr oder weniger gelingt.

Kennzeichen der Anbieter im Micropayment-Bereich ist, dass in der Regel ein virtuelles Nutzerkonto notwendig ist, bei dem kleinste Geldbeträge per Überweisung, Lastschrift oder Kreditkarte in einer grösseren Summe eingezahlt und bei Bedarf in vielen kleinen Summen abgebucht werden können. Das geht zum einen personalisiert oder anonyme über Prepaid-Guthaben (Vorauszahlung). Das Micropayment muss also zur Zielgruppe passen.

Einige Anbieter im Micropayment-Bereich:

  • Lastschrift und Kreditkarte:
    • Concardis
    • Heidelpay
    • Ogone
    • PayOS
    • Saferpay
    • WireCard
  • Prepaid-Kreditkarte:
    • WireCard
    • Landesbank Berlin
  • Klassisches Micropayment
    • PayPal
    • ClickandBuy
    • Paysafecard (Kunde kauft in einem Kiosk, Tankstelle oder Geschäft einen Ausdruck im Wert von 10 bis 100 Euro mit einer 16-stelligen PIN, der dann beim Bezahlen im Internet eingegeben wird; dadurch ist ein sehr anonymes Bezahlen möglich)
    • Girpay
    • Sofortüberweisung
  • Mobiles Micropayment
    • mpass (Vodafone, O2): Authentifizierung erfolgt über die SIM-Karte und einer SMS
    • PayPal (geplant)
    • Google Wallet (geplant)

Postpaid-Verfahren (Bezahlen danach)

PayPal: “PayPal for digital goods” (bis 12 US$) PayPal startete Ende 2010 mit einer eigenen Micropayment-Lösung. Hierbei ist keine neue Einbindung notwendig, da es sich um ein intelligentes Staffel-Gebühren-Modell handelt. Der Händler bindet einfach die normale PayPal-Lösung ein. Die neue Lösung gilt für alle Transaktionen bis maximal 12 Dollar und zeichnet sich im Gegensatz zu herkömmlichen PayPal-Käufen durch niedrigere Gebühren für Zahlungsempfänger aus. Innerhalb der EU betrugen die alten PayPal-Transaktionsgebühren 0,35 Euro + 1,9% des Kaufbetrages.

Bei der neuen Micropayment-Option werden nur 5 Prozent des Kaufbetrages + 0,05 US-Dollar fällig, also umgerechnet weniger als 0,04 Euro. Hinweis: bei einem Monatsumsatz von über 5.000 Euro verringert sich der Prozentwert geringfügig. Ergänzt wird die Micropayment-Lösung von PayPal durch einen schlanken Zwei-Klick-Bezahlvorgang – ideal für mobile Payment.

Bezahlen per Telefon und SMS

Beim Surfen und Shoppen im Internet ist es auch möglich, dass ein Händler die Bezahlmethode “per Telefon/SMS” anbietet. Die Bezahlung erfolgt dann über die Telefonrechnung oder wird vom Prepaid-Guthaben abgezogen. Die Vorteile dieser Methode liegen auf der Hand: unkompliziert, vertraut und anonym.

  • Infin-Payment
  • HandyPay, Call2Pay
  • Netpurse

Alternative Währungen

Bei niedrigpreisigen Produkten und Dienstleistungen im Internet tummeln sich vor allem Minderjährige. Diese Personen unter 18 Jahren haben eine verminderte Geschäftsfähigkeit und deshalb meist auch kein Bankkonto. Aus diesem Grund haben sich einige Bezahlsysteme entwickelt, deren Grundlage nicht Geld ist.

8. E-Wallet (eWallet)

E-Wallets sollten im Portfolio der Bezahlmöglichkeiten eines Online-Shops auf keinen Fall fehlen, da sie eine einfache, sichere und kundenfreundliche Bezahlalternative sind. Ein E-Wallet (engl. “electronic wallet”) ist eine “elektronische Geldbörse”, die verschiedene Zahlungsmethoden in einem Kundenkonto vereint.

Hat man sich als Kunde einmal registriert und z.B. per Test-Banküberweisung ordnungsgemäss autorisiert, erfolgt die Autorisierung bei der Bezahlung nur noch mit der E-Mail-Adresse und einem Passwort. Ein E-Wallet ist also ein virtuelles Konto, das man vorher mit einer Überweisung aufladen kann. So kann man auch erst im Moment einer Bezahlung per Lastschrift oder von der Kreditkarte sich im E-Wallet einloggen und die favorisierte Zahlungsweise auswählen. Das Geld wird dem Händler sofort gutgeschrieben, weshalb die Ware/Dienstleistung unverzüglich versendet werden kann.

Ein E-Wallet eignet sich deshalb besonders gut für kleine Zahlungsbeträge, also für den Bereich Mircopayment. Hier können Kleinstbeträge auf dem virtuellen Konto gesammelt werden und dann in Zeitintervallen oder beim Erreichen eines Schwellenwertes auf ein normales Bankkonto transferiert werden. Bekanntester Vertreter für eine ausgereifte und perfekte E-Wallet-Lösung ist PayPal, ein spezialisierter Anbieter für Online-Zahlungsmethoden, der zum eBay-Konzern gehört. E-Wallets eignen sich daher perfekt für einen schnellen Start mit mehreren Zahlungsmöglichkeiten.

Die bekanntesten E-Wallet-Lösungen in Deutschland sind:

  • PayPal
  • Click&Buy
  • Skrill (ehemals Moneybookers)

Die PSP bieten mit ihren E-Wallet auch zahlreiche Dienstleistungen, die in ihrem Umfang teilweise optional gegen einen geringen Aufpreis hinzu gebucht werden können:

  • Betrugsprävention (Prüfung von Bank-, Kreditkarten- und Adressdaten, Länderkennung und Bonitätsprüfung der Käufer)
  • Kunden-Scoring inklusive Sperrlistenverwaltung und Whitelists
  • Stammkunden-Funktion
  • Risiko- und Betrugsprävention
  • Lastschrift mit Zahlungssicherung
  • Rücklastschrift-Schutz
  • Finanzdienstleistungen (Rechnungsversand, Acquiring, Geschäftskonten, Währungsmanagement, Issuing über Wirecard Bank AG, Call Center Services)
  • Inkasso- und  Forderungsmanagement, Debitorenmanagement (Inkassomahnverfahren, gerichtliche Massnahmen, Langzeitüberwachung, national und international, Vertragsmanagement)
  • Dynamische Währungsumrechnung zu tagesaktuellen Kursen
  • Reportingtools, Statistiken

Weiterhin bieten die PSP spezielle Module (Plugins) für die meisten Shop-Systeme an, wie z.B. Magento, Oxid eShop, xt:Commerce, osCommerce, PrestaShop, VirtueMart, Gambio, TYPO3 oder Übercart

Viel Erfolg bei der Auswahl oder bei der Integration der optimalen Zahlungsmethode oder des passenden Payment (Service) Providers wünscht vanillabanking.de!

Hinweis: Weitere Ergänzungen aufgrund von Marktentwicklungen und technischen Änderungen erfolgen nicht mehr.

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